Unternehmen und Menschenrechte

Addax zieht sich aus Vorzeigeprojekt zurück – doch die Verantwortung bleibt

Sierra Leone ist eines der ärmsten Länder der Welt. Das Genfer Unternehmen Addax Bioenergy hat dort Investitionen von rund 455 Mio. Euro getätigt mit dem Ziel, Agrotreibstoffe aus Zuckerrohr herzustellen. Der lokalen Bevölkerung wurden neue Arbeitsplätze, Schulen und Entwicklung versprochen. 

Nun will Addax das Projekt, das durch acht Entwicklungsbanken mitfinanziert wurde, verkaufen – die Bäuerinnen und Bauern verlieren ihr Land und ihre Hoffnung. Das durch viele öffentliche Entwicklungsgelder mitfinanzierte Projekt habe nicht die erwarteten Resultate gebracht. Ein potenzieller Investor könnte in der britischen Sunbird Bioenergy gefunden worden sein.

Addax hat den Zuckerrohranbau auf der 10 000 Hektar Plantage schon im Juli 2015 gestoppt und produziert seither weder Ethanol noch Elektrizität. Die temporär angestellten Arbeiter sind entlassen worden, die anderen freigestellt. Wie es mit dem neuen Investor weitergeht ist unklar. 

Addax und Entwicklungsbanken sollen Verantwortung wahrnehmen

Addax ist ein anschauliches Beispiel, wie ein ausländischer Investor die lokale Bevölkerung in Abhängigkeiten führt: Zuerst verpachten die Behörden und Dorfchefs das Land der Bäuerinnen und Bauern und gefährden deren Lebensgrundlage. Mit dem Rückzug von Addax droht den Menschen noch mehr Ungemach.

Es zeigt sich einmal mehr, dass solche Investitionen nicht zielführend sind. Addax hat in das Projekt rund 500 Millionen Franken investiert, mit dem Ziel, den europäischen Markt mit Agrotreibstoff aus Zuckerrohr zu beliefern. Das Vorhaben wurde von acht Entwicklungsbanken mitfinanziert. Die Investition galt bisher als Vorzeigeprojekt für eine nachhaltige Entwicklungsfinanzierung und als Beispiel für eine erfolgreiche „öffentlich-private Partnerschaft“. Auch Steuergelder aus der Schweiz sind vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco in dieses Projekt geflossen. 

Brot für alle fordert:

Addax, die Entwicklungsbanken sowie das Seco müssen beim Verkauf des Projekts ihre Sorgfaltspflicht und Verantwortung wahrnehmen.

Enge Zusammenarbeit mit Silnorf

Brot für alle arbeitet in Sierra Leone eng mit ihrem Partner Silnorf (Sierra Leone Network on the Right to Food) zusammen. Seit 2010 handelt Silnorf Verbesserungen für die lokale Bevölkerung aus. Was nun aber mit dem auf 50 Jahre vereinbarten Pachtvertrag und den rund 235 Millionen Franken an öffentlichen Geldern beim Verkauf geschieht, ist unklar.