Apple: Probleme ins Landesinnere verlagert statt gelöst
Luzern / Bern, 6. Mai 2011 – iPods, iPhones, iPads – innovative Produkte mit wundervollem Design bescheren Apple von Jahr zu Jahr grössere Gewinne. Doch die Bedingungen, unter denen diese Produkte hergestellt werden, gehen nicht mit dem technologischen Fortschritt einher. Diese sind nämlich alles andere als fortschrittlich. Dies zeigt eine neue Studie, welche zum ersten Mal die Arbeitsbedingungen in den Fabriken, die der Apple-Lieferant Foxconn im Landesinnern von China neu eröffnet hat, unter die Lupe nimmt. Die Studie wurde verfasst von der NGO Sacom aus Hong Kong, im Auftrag von Brot für alle und Fastenopfer.

Vor einem Jahr, im Mai 2010, haben sich sieben Arbeiterinnen und Arbeiter der Foxconn-Fabrik in Shenzhen das Leben genommen. Dies hat eine weltweite Welle der Empörung ausgelöst. Ein Jahr später sind die Probleme ins Landesinnere verlagert, aber nicht gelöst worden. In der Fabrik in Shenzhen wurde die Belegschaft abgebaut. In den neu eröffneten Fabriken in Zhengzhou (Provinz Henan) und Chengdu (Provinz Sechuan) leiden die Angestellten unter unwürdigen Arbeitsbedingungen und militärischen Managementmethoden.
Nach der Selbstmordserie vor einem Jahr hat der Apple-Lieferant Foxconn zwar die Löhne erhöht. Die Subventionen für Verpflegung und Unterkunft wurden aber gleichzeitig gestrichen. Dadurch bleiben die Löhne unter dem gesetzlichen Minimum und den Arbeitern somit immer noch zu wenig zum Leben.
Aufgrund der niedrigen Grundlöhne und der kurzen Lieferfristen sind die Arbeiterinnen gezwungen, Überzeit zu leisten. Erschöpfung und ständiger Wechsel der Belegschaft sind die Folge. Auch die Arbeitssicherheit ist weiterhin ungenügend. Arbeiter hantieren mit Chemikalien, ohne dafür ausgebildet zu sein oder eine ausreichende Schutzkleidung zur Verfügung gestellt zu bekommen.
Demütigung und psychologischer Druck sind weiterhin an der Tagesordnung. In Chengdu müssen die Arbeiter bei der Einstellung während ein oder zwei Tagen in Reih und Glied ruhig stehen, wie im Militär. Von Zeit zu Zeit werden sie von den Vorgesetzen aufgefordert, sich nach rechts oder links zu drehen. Am Fliessband sind Gespräche verboten. Arbeiterinnen, die einen Fehler begehen, müssen ein Schuldbekenntnis verfassen und öffentliche Demütigungen über sich ergehen lassen.
Apple als wichtiger Auftraggeber von Foxconn kümmert sich nicht genügend darum, wie die Produkte hergestellt werden. „Apple ist ein Weltmarktführer in der Elektronikindustrie. Es ist höchste Zeit, dass Apple auch bei den Produktionsbedingungen einen Spitzenplatz einnimmt“, fordert Chantal Peyer, Koordinatorin der Kampagne „High Tech – No Rights?“ von Brot für alle und Fastenopfer.
Anlässlich des Internationalen Aktionstages für faire Arbeitsbedingungen in der Computerindustrie vom 7. Mai 2011 fordern die beiden Hilfswerke Apple auf, seine Beschaffungsstrategie zu verbessern: Apple soll den Lieferanten gerechte Preise bezahlen und ausreichende Lieferfristen einplanen. Dadurch könnten die Löhne erhöht und übermässige Überstunden vermieden werden. Des Weiteren soll Apple die Kommunikation verbessern und die Transparenz erhöhen: Konsumenten und Käuferinnen sollen erfahren können, wie die Produkte hergestellt werden. Apple soll in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und NGOs nach Lösungen suchen, wie die Arbeitsbedingungen bei den Lieferanten verbessert werden können.
Informationen - Am 7. Mai finden in ganz Europa Aktionen statt, um auf die unfairen Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Apple-Produkten aufmerksam zu machen. Informationen zum Aktionstag unter www.makeitfair.org.
- Im Auftrag von Brot für alle und Fastenopfer hat Sacom drei Produktionsstätten in China besucht und mit über hundert Arbeitern und Arbeiterinnen gesprochen. Die Studie kann hier heruntergeladen werden.
- Für Informationen zur Kampagne "High Tech – No rights?": www.fair-computer.ch.
Für Informationen und Interviews: Chantal Peyer, Koordinatorin Kampagne „High Tech – No Rights?“ von Brot für alle und Fastenopfer: 021 614 77 10 / Mail
06.05.11
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