Millenniumsziele: Afrika-Delegation fordert von Calmy-Rey Partnerschaft und Transparenz
Eine ökumenische Delegation afrikanischer Kirchenvertreter hat bei einem Treffen mit Aussenministerin Calmy-Rey ein stärkeres Engagement der Schweiz bei der Bekämpfung der weltweiten Armut gefordert. Die Delegation unterstrich, dass die Millenniumsziele nur erreicht würden, wenn sich Länder in Nord und Süd zu einer globalen Partnerschaft für Entwicklung verpflichten.

Tag für Tag sterben 40’000 Kinder an Unterernährung oder an Krankheiten. Die Zahl der Hungernden hat letztes Jahr erstmals die Grenze einer Milliarde Menschen überschritten! Die weltweite Armut ist ein akutes Problem. Vor dem UNO-Gipfel zu den Millenniumszielen Ende Monat in New York trafen deshalb afrikanische Kirchenvertreter, begleitet von Vertretern von Brot für alle und Fastenopfer, die Aussenministerin und hohe Vertreter der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA). Sie diskutierten darüber, was die Schweiz beitragen kann, damit die Millenniumsziele doch noch zum Erfolg werden und die weltweite Armut bis 2015 halbiert wird.
Die Zwischenbilanz von Erzbischof Laurent Monsengwo aus Kinshasa (DR Kongo) fällt allerdings ernüchternd aus: „In Afrika ist in den letzten Jahren die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, gestiegen. Das ist ein Skandal! Wir brauchen jetzt alle intelligenten Menschen in Nord und Süd, um ein neues Weltwirtschaftssystem zu entwickeln, von dem alle profitieren.“
Der Generalsekretär der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, Reverend Setri Nyomi aus Ghana, appellierte an die Schweiz: „Es bleiben fünf Jahre, um die Millenniumsziele zu erfüllen.“ Entscheidend sei, was getan wird, um vor Ort mehr Gerechtigkeit zu erreichen. „Habt Vertrauen in die afrikanische Zivilgesellschaft, die in den letzten Jahren viele fähige Leute hervorgebracht hat. Diese Zivilgesellschaft spielt eine zentrale Rolle im Kampf gegen Armut.“ Wichtig sei dabei auch die Unterstützung durch Kirchen und Nichtregierungsorganisationen. „Diese hören die Sorgen der Menschen ganz direkt.“ Doch nur zu oft nehmen laut Nyomi die Regierungen die leisen Stimmen nicht auf. „Da helfen Werke wie Brot für alle. Sie geben den Leuten aus dem Süden eine Stimme und verstärken sie. Aber sie machen nicht nur die Regierungen auf Probleme aufmerksam, sie analysieren und reflektieren auch.“ Beides erlaube, nötige Massnahmen anzupacken. Eine wichtige sei mehr Transparenz in der Rechnungslegung der internationalen Konzerne. Da sollte die Schweiz eine führende Rolle übernehmen, fordert Nyomi. Mit genaueren Zahlen liesse sich belegen, dass das Volumen der Finanzströme aus Afrika deutlich grösser sei als die gesamte Entwicklungshilfe nach Afrika.
Die Delegation berichtete auch eindrücklich über die Folgen des Abbaus von Rohstoffen und der Ölförderung in den Ländern des Südens. Antonio Hautle, Direktor des Fastenopfers, fasst zusammen: „Die Profite multinationaler Unternehmen fliessen heutzutage meist zu uns in den Norden, die lokale Bevölkerung profitiert nicht davon. Regierungen und multinationale Unternehmen müssen unbedingt transparenter arbeiten, damit Entwicklung und nicht Korruption gefördert wird.“
Kirchen könnten dazu viel beitragen, unterstrich Beat Dietschy, Zentralsekretär von Brot für alle, vor allem, wenn sie gemeinsam auftreten: „Sie sind in vielen Staaten Afrikas eine moralische Instanz und können gute Regierungsführung einfordern.“ Um Armut wirksam zu bekämpfen, müsse aber auch der Abfluss von Geldern in den Norden gestoppt werden. „Die Schweiz sollte die Steuerhinterziehung von Firmen und Privaten in Entwicklungsländern nicht länger begünstigen.“
Im Jahr 2000 hatten die Staatschefs der Weltgemeinschaft mit den Millenniumszielen beschlossen, bis 2015 die weltweite Armut zu halbieren. Vom 20.-22. September wird am UNO-Gipfel in New York Zwischenbilanz gezogen. Diese sieht mehr als durchzogen aus. Allen ist klar, dass es erheblicher Zusatzanstrengungen bedarf, wenn die Millenniumsziele in den nächsten fünf Jahren noch erreicht werden sollen.
Weitere Informationen: - Dossier zu den Millenniumszielen: www.fastenopfer.ch/sites/globale_gerechtigkeit/millenniums_entwicklungsziele.html
Bilder: Auf Anfrage (Mail, 031 380 65 78)
09.09.10
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