Computerkampagne: Erste Erfolge

Medienmitteilung von Brot für alle und Fastenopfer


Lausanne/Hongkong 23. Sept. 2009. Brot für alle in der Schweiz und die Studentenorganisation SACOM* in Honkong  legen einen  Bericht vor, der Schule machen wird. Chinesische Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) konnten in Zulieferbetrieben des Computerunternehmens  Hewlett-Packard erstmals ein Bildungsprogramm zu den Arbeitsrechten durchführen. Es ist ein erster Schritt hin zu sozialer Unternehmensverantwortung, die sich auf die Erfahrung von Arbeitern abstützt.

Im Rahmen der Kampagne  “High Tech – No Rights” von Brot für alle und Fastenopfer schrieben im Jahr 2007 Tausende von Konsumenten 'ihren'  Computerlieferanten und verlangten die Respektierung minimaler Arbeitsnormen, insbesondere für die Zulieferfirmen im Fernen Osten. Als einziger Anbieter reagierte Hewlett-Packard und erlaubte, dass chinesische NGO in zwei HP-Zulieferfirmen Pilotprojekte für Arbeiterinnenbildung durchführten. „Ein Meilenstein“, sagt Chantal Peyer von Brot für alle. „Die Pilotprojekte in China werden wesentlich dazu beitragen, Sozialstandards für die Elektronikindustrie zu etablieren.“ Es sei wichtig, sagt Peyer, alle Beteiligten in diesen Prozess zu integrieren. Beim Monitoring sei darauf zu achten, dass Arbeiter und lokale Organisationen im Zentrum stehen.

Bei Delta Electronics in der chinesischen Boom-Stadt Donguan führte die Nichtregierungsorganisation LESN* mit 1549 Arbeiter/-innen ein Trainingsprogramm für Arbeitsrechte durch. Darüber hinaus wurden Leitungskräfte bis hinauf ins mittlere Management für Fragen der Unternehmensverantwortung sensibilisiert. Die Arbeiter/-innen erhielten eine Broschüre mit einer leicht verständlichen Fassung des chinesischen Arbeitsrechts. Damit wurde zwischen Arbeiterschaft und Management eine Diskussion auf Augenhöhe in Gang gesetzt. Einige Arbeiter/-innen sagten aus, sie begegneten dem Management jetzt mit mehr Selbstbewusstsein.

In der zweiten Fabrik, der Chicony Electronics, ebenfalls in Dongguan, sind die Ergebnisse des Pilotprogramms noch eindrücklicher. Im Verlauf eines Jahres besuchten 2714 Abeiter/-innen den eintätigen Kurs zu den Arbeitsrechten. Die lokale Nichtregierungs-Organisation CWWN* richtete ausserdem einen permanenten Telefondienst ein, bei dem die Abeiter/innen ihre Beschwerden und Sorgen anonym deponieren konnten. Dabei ging es um Lohnfragen ebenso wie um das Fehlen von heissem Wasser oder um das Prozedere bei Kündigungen. Konfrontiert mit den Klagen konnte die Fabrikleitung einige der Versäumnisse beheben. In einer letzten Programmetappe wurden 10 Arbeiter-Vertreterinnen mit Verhandlungstechniken vertraut gemacht, damit sie Diskussionen mit der Fabrikleitung selber und besser führen können.

“Beide Pilotprojekte haben gezeigt, dass sich der Dialog verbessert, wenn das obere Kader eines Betriebs die Forderungen und Sorgen der Arbeiter/-innen kennt und versteht”, sagt Jenny Chan, oberste Koordinatorin bei SACOM. “Doch der Weg zur sozialen, auf die Arbeiter bezogenen Unternehmensverantwortung ist noch lang, und er verlangt zusätzliche Anstrengungen aller Beteiligten. Wir sind überzeugt, dass die Pilotprogramme eine gute Basis für innovative Arbeiterbildung sein können, in China ebenso wie in anderen Teilen der Welt.”

Auch Ernst Wong, bei Hewlett-Packard verantwortlich für soziale und ökologische Verantwortung in den Zulieferbetrieben, lobt die Pilotprojekte. “Die Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit den NGO-Partnern waren sehr positiv. Die Kontakte zu lokalen Kursveranstaltern haben dazu geführt, dass bei anderen Zulieferern ähnliche Bildungsprogramme in Planung sind.”

Chantal Peyer schliesslich, die bei Brot für alle die Kampagne HTNR und die Kontakte zu den chinesischen NGO-Partnern koordiniert, ist überzeugt, dass die Pilotprojekte Schule machen. Auch in China, wo die  Arbeitervertretungen traditionell schwach sind. ”Den Fairen Computer gibt es noch nicht”, sagt Peyer. “Aber ein Anfang hin zum Fairen Computer ist gemacht. Und wir sind stolz, dass Brot für alle und Fastenopfer hier in der Schweiz diesen Anfang einleiten konnten.”

Zum Dossier

* SACOM : Students & Scholars Against Corporate Misbehavior
   
LESN: Labor Education & Service Network
   CWWN: Chinese working women network

Kontakt:
Chantal Peyer, Development Policy

Brot für alle, Lausanne
peyer(at)bfa-ppp.ch
Tel: 021 614 77 10 / 079 759 39 30


23.09.09 Von: BFA/FO




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