Ein kleines Glossar zum Thema

Gender

Das Englische unterscheidet sprachlich zwischen «sex», dem biologischen Geschlecht, und «gender», dem sozialen Geschlecht. Der Begriff Gender beinhaltet die Vorstellung von Aufgaben, Funktionen und Rollen, die Mann und Frau innerhalb der Gesellschaft im öffentlichen und privaten Leben zugeschrieben werden. Gemeint sind die gesellschaftlichen Geschlechterrollen, die Vorstellungen und Erwartungen, wie Frauen und Männer sind bzw. sein sollten. Im Unterschied zu den biologischen Eigenschaften von Frauen und Männern sind die Geschlechterbeziehungen kontextspezifisch. Die Geschlechterrollen können sich im Lauf der Zeit ändern und innerhalb und zwischen den Kulturen unterschiedlich sein.

Gender und Macht
  • Die Beziehungen zwischen den Geschlechtern sind durch ein Machtgefälle geprägt. Die Diskriminierung der Frauen ist weltweit die am meisten verbreitete Form der Ausgrenzung.
  • Institutionen im öffentlichen Raum (z.B. Religion, Schule, Arbeitsmarkt) und privaten Raum (z.B. Familie, Heirat) widerspiegeln und reproduzieren Geschlechterbeziehungen.
  • Ungleiche Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern und ihre ungleiche Beteiligung an Entscheidungen gehören zu den strukturellen Ursachen von politischer Instabilität und Armut. Der Abbau des Ungleichgewichts zwischen Männern und Frauen kann deshalb entscheidend zu sozialer Gerechtigkeit und nachhaltiger Entwicklung beitragen.
Geschlechtergerechte Entwicklungspolitik

Frauen und Männer sollen ihre Rechte in gleicher Weise wahrnehmen können, so ist es auch in den weltweit geltenden Menschenrechten verankert. Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit bedeuten auch das Recht, verschieden zu sein. Männer und Frauen haben unterschiedliche Bedürfnisse und Prioritäten, sehen sich aber auch mit unterschiedlichen Herausforderungen und Zwängen konfrontiert.

Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklungspolitik ist es, die Gender-Aspekte in allen Projektphasen konsequent zu berücksichtigen, von der Identifizierung, Planung und Umsetzung bis hin zum Monitoring und zur Evaluation. Zwei zentrale Fragen müssen dabei immer gestellt werden:

  • Wie sind Frauen und Männer an den Projekten und Entscheidungsprozessen quantitativ und qualitativ beteiligt?
  • Welchen Nutzen bzw. welche Risiken haben die Projekte und Massnahmen für Männer und Frauen?

Gender Politik der evangelischen Entwicklungsorganisationen