Information und Bildung von Arbeiterinnen und Arbeiter

Im Jahr 2007 lancierten Fastenopfer und Brot für alle die Kampagne «High Tech – No Rights?» gegen die prekären Arbeitsbedingungen in asiatischen Zulieferfirmen der Computerindustrie. Im Rahmen dieser Kampagne sandten tausende Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten Postkarten an Computerfirmen und forderten sie auf, sich an einem Pilotprojekt zur Information ihrer Arbeiterinnen und Arbeiter über ihre Rechte zu beteiligen. Damit wurde bezweckt, dass Zulieferbetriebe von Elektronikfirmen in Schwellenländern ihre Angestellten in Zusammenarbeit mit lokalen, unabhängigen Nichtregierungsorganisationen über die Gesetzgebung und ihre Rechte informieren und einen sozialen Dialog in Gang setzen.

Die Elektronikbranche ist traditionell wenig offen für gewerkschaftliche Freiheiten. Bereits in den siebziger Jahren, als die Mehrheit der Produktionsstätten im kalifornischen im Silicon Valley angesiedelt war, waren Gewerkschaften unerwünscht. In den neunziger Jahren verlagerten viele grosse Marken ihre Produktion in Sonderwirtschaftszonen von Schwellenländern, in denen es für die Beschäftigten noch viel schwieriger ist, sich gewerkschaftlich zu organisieren.

Aufgrund verschiedener öffentlicher Kampagnen haben einige der grossen Computermarken, darunter Hewlett Packard, Dell, Apple, Sony, und Acer, im Jahr 2004 gegenüber allen Angestellten entlang ihrer gesamten Produktionsketten Verhaltenskodizes angenommen. Diese selbst auferlegten Verhaltensregeln sind jedoch unzureichend. Sie beziehen sich beispielsweise nicht auf die in den Arbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) enthaltenen Grundrechte und anerkennen weder die Organisationsfreiheit noch das Recht auf Kollektivverhandlungen vollumfänglich. Das heisst, die Elektronikhersteller führen keinen wirklichen sozialen Dialog, sondern erlassen Regeln, ohne die Arbeiterinnen und Arbeiter einzubeziehen. Zudem verweigern sie vor Ort die Zusammenarbeit mit unabhängigen Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften.

Im Jahr 2007 konnte die Kampagne «High Tech – No Rights?» einen ersten Erfolg verbuchen: Hewlett Packard erklärte sich bereit, Angestellte ihrer Zulieferbetriebe in China von unabhängigen zivilgesellschaftlichen Organisationen über ihre Rechte informieren zu lassen. Dieses bisher einmalige Pilotprojekt wurde mit Unterstützung von Brot für alle durchgeführt. Ein im September 2009 veröffentlichter Bericht zeigt, dass Unternehmen auch in China ihre soziale Verantwortung wahrnehmen können, wenngleich die Möglichkeiten der Arbeitnehmervertretung eingeschränkt sind.